Göttliche Zeitalter
Vor den menschlichen Kalendern durchläuft Aurelion drei mythische Zustände: Apollos Harmonie, Kybeles Struktur und Dionysos’ Bruch, in dem Zeit persönlich und Wahl möglich wird.
Bevor Zeit gezählt wurde
Schon die Bezeichnung „Zeitalter“ für die Göttlichen Zeitalter ist ein Zugeständnis an menschliche Sprache. Die Quelle besteht darauf, dass sie nicht datiert werden können, weil Zeit noch nicht als Abfolge persönlicher Erfahrungen funktionierte. Sie lassen sich besser als Zustände verstehen, in denen die Wirklichkeit durch eine dominierende Formel organisiert war. Ereignisse mögen in ihnen stattfinden, doch die Wesen dieser Zustände erleben Vorher und Nachher nicht notwendigerweise so wie spätere Menschen.
Apollos Zustand ist Harmonie: Gesetz, Form und Klarheit. Elfen benutzen Magie nicht als Technik, weil sie mit dem geordneten Muster der Welt zusammenfallen. Erinnerung ist global statt privat; Zeit löst sich in der Kontinuität des Ganzen auf; Wille besitzt wenig Bedeutung, weil es keine echte Alternative zur bereits gegebenen Form gibt. Die Leistung ist gewaltig - die Wirklichkeit wird kohärent genug, um dem Großen Nichts zu widerstehen -, doch die Vollkommenheit der Harmonie reduziert Entropie so weit, dass das Gleichgewicht selbst dagegen zu reagieren beginnt.
Kybeles Zustand ist Struktur. Materie, Funktion und Mechanismus härten die Welt. Zwergische Existenz fixiert, was die elfische Ordnung in lebendiger Resonanz gehalten hatte. Ihre Städte und Körper werden zunehmend algorithmisch; Zeit wird mechanisch. Struktur hat Erfolg bei Beständigkeit und versagt beim Leben. Es ist eine Welt, die fortbestehen kann, weil jedes Teil weiß, wozu es dient, und dadurch Gefahr läuft, zu einer Welt zu werden, in der nichts mehr etwas anderes werden kann.
Dionysos verändert einen einzigen Parameter radikaler als jede frühere Formel: Zeit wird persönlich. Sie fließt durch Körper und wird von innen erlebt. Private Erinnerung wird möglich; Funktion kann angenommen oder verweigert werden; Wille erscheint, und Seele kann als unumkehrbarer Rückstand verwirklichter Wahl entstehen. Dieser Bruch macht menschliches Leben möglich und die alte Maschine unmöglich. Ein für statisches Gleichgewicht entworfenes System kann keine Welt berechnen, in der Wesen gegen ihren zugewiesenen Zweck wählen können. Die Göttlichen Zeitalter enden daher nicht, weil ein Gott einen anderen in einem gewöhnlichen Krieg besiegt, sondern weil sich unter der gesamten alten Architektur die Bedingungen der Existenz verändern.