Miaurisen
Miaurisen sind vom Menschen abgeleitete Leben, die in emotionale Episoden zerbrochen sind: Zeit bewegt sich weiter vorwärts, doch Erinnerung und Wille kommen in Schüben, wodurch ein echter Akt der Wahl selten genug wird, um metaphysisch bedeutsam zu sein.
Ein Selbst in Fragmenten
Miaurisen lassen sich leicht missverstehen, wenn man ihr katzenartiges Aussehen für die entscheidende Tatsache hält. In der Aurelion-Quelle ist ihre bestimmende Veränderung zeitlich und mnemonisch. Sie bleiben lebende, vom Menschen abgeleitete Wesen, doch ihre lineare Zeit zerfällt in Episoden. Erinnerung ist stark emotional statt kontinuierlich, Funktion nimmt oft die Form von Spiel an und Wille erscheint als Impuls - real, aber schwer aufrechtzuerhalten. Ein Miaurise kann sich mit außergewöhnlicher Intensität erinnern und dennoch daran scheitern, diese Erinnerung mit einer stabilen Erzählung des Selbst zu verbinden.
Damit sind sie eines der klarsten Beispiele für die Unterscheidung des Settings zwischen Bewusstsein und Seele. Die Taxonomie erlaubt in seltenen Fällen die Entstehung einer Seele, wenn ein Miaurise eine echte Wahl trifft, die das emotionale Fragment überdauert, in dem sie geboren wurde. Dieser Moment zählt, weil das gewöhnliche Muster sonst diskontinuierlich ist: Gefühl flammt auf, Identität ordnet sich darum neu, und dann kommt die nächste Episode. Ein menschlicher Philosoph könnte das Instabilität nennen. Der Codex behandelt es vorsichtiger. Ein Selbst, das wiederholt neu zusammengesetzt werden muss, mag fragil sein, doch Fragilität ist nicht dasselbe wie Abwesenheit.
Ihr Ursprung wird in zwei überlappenden Formen festgehalten, die nicht zusammengelegt werden sollten. Die Rassentabelle beschreibt Miaurisen als biologische, vom Menschen abgeleitete Population im Umfeld dichter Feeneinflüsse. Die historische Chronik verzeichnet die Blaue Seuche als Epidemie, die einen Teil der menschlichen Bevölkerung in Miaurisen verwandelte, und nennt sie die „Katzenschatten“ des Rates. Auch die ältere Ursprungsübersicht verbindet sie mit der Blauen Seuche. Die Quelle sagt nie ausdrücklich, ob Feeneinfluss die Seuche verursachte, ob die Seuche lediglich eine bestehende Verwandlung beschleunigte oder ob zwei unterschiedliche Miaurisenpopulationen später unter einem Namen zusammengefasst wurden.
Diese Ungewissheit passt ungewöhnlich gut zu dem Volk. Sein eigenes metaphysisches Problem ist Kontinuität, und seine Geschichte ist als diskontinuierliche Erklärungen überliefert. Selbst die Verbindung zum Rat bleibt suggestiv statt erklärt. Sicher ist, dass Miaurisen einen schmalen, aber wichtigen Platz in Aurelion einnehmen: Wesen, deren Wille nicht fehlt, sondern intermittierend ist und für die eine einzige anhaltende Entscheidung mehr ontologisches Gewicht tragen kann als Jahre gewöhnlichen Verhaltens.